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Denkmalschutz und Bildung - Ein Gewinn für alle

Am 7.9.2017, hat der Berufsschullehrer Jan Behrens mit acht Schülern erstmals die Villa Mutzenbecher besucht. Vom Architekten hatten die Schüler den schriftlichen Auftrag, anhand des Leistungsverzeichnisses zur Erneuerung des Putzes am Sockel eine überschlägige Mengenberechnung für die gewählte Zementmischung durchzuführen. Die Schüler haben sich untereinander beraten, eine Vorgehensweise entschieden und die Aufgabe eigenverantwortlich gelöst. Für die Schüler war dies ihr erster Schritt in die Realität der Berufswelt.

Neue Chance

Bei den Schülern handelt es sich um schulpflichtige Jugendliche mit Wohnsitz in Hamburg, die trotz Ausbildungsreife und mehrfachen Bewerbungsversuchen keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Sie lernen in der Staatlichen Gewerbeschule Elektrotechnik G10 in Hamburg im Bildungsgang „Berufsqualifizierung“.


Die Villa wird vermessen.

Engagierte Jugendliche begeistern den Bauherrn

Vertreterin und Vertreter des Bauherrn, des Vereins „Werte erleben e.V.“, waren begeistert vom Engagement der Jugendlichen und ihrem großen Interesse an dem denkmalgeschützten Gebäude, das der Verein instandsetzen und für Bildungs- und Kulturveranstaltungen nutzen will. Die Jugendlichen werden im Rahmen ihrer Ausbildung einzelne Arbeiten planen und ausführen. Belange des Denkmalschutzes müssen beachtet und die historische Substanz des Gebäudes bewahrt bleiben.

Nachfragen und Hinweise der Schüler zeigten ein so großes Engagement und Interesse, dass die Auftraggeber in dieser Form nicht erwartet hatten.
Jan Behrens forderte seine Schüler auf, ihm bei der Bearbeitung des Auftrages keine Fragen zu stellen, sondern Lösungen zu liefern. Er zeigte damit, was er seinen Schülern zutraut.

Gut vorbereitet!

Alle Schüler sind im Besitz der Baupläne, sofort beugen sie sich über ihre Pläne, beratschlagen ihre Vorgehensweise und legen los. Vorbereitet wurden sie im theoretischen Unterricht mit den für diese Aufgabenstellung benötigten mathematischen Grundlagen. Schnell zeigte sich, dass auch dieser theoretische Unterricht erfolgreich war: die Aufgabe wurde bravourös gelöst.


Die Arbeiten werden in Teamwork durchgeführt.

Üben an Realprojekten motiviert...

Es sind gerade solche Realprojekte, die Jugendliche begeistern und ihnen die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ermöglichen, die im regulären Schulunterricht so nicht erreicht werden können.

...und alle profitieren

Insofern profitieren von diesem Projekt alle: das Denkmal „Villa Mutzenbecher“ kann gerettet werden, die Jugendlichen lernen mit Begeisterung und leisten gleichzeitig nachhaltige praktische Arbeit. Dabei entwickeln sie eine Haltung zum handwerklichen Beruf, übernehmen Verantwortung und machen erste praktische Erfahrungen. Sie verstehen den Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis. Dies motiviert sie, aktiv am schulischen Unterricht teilzunehmen und die Voraussetzungen für den Abschluss eines regulären Ausbildungsvertrages zu erreichen. Die Betriebe profitieren, weil sie motivierte und engagierte Auszubildende gewinnen. Die Gesellschaft profitiert von der Villa Mutzenbecher wenn sie als Bildungs- und Kulturzentrum zur Verfügung steht.


Um den Putzauftrag zu berechnen, wird auch vor Ort zum Spaten gegriffen.