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Konzept Villa Mutzenbecher

Villa Mutzenbecher – Instandsetzungs-, Bildungs- und Ausbildungsprojekt

Die denkmalgerechte Instandsetzung der Villa Mutzenbecher durch den Verein „Werte erleben e.V.“ ist auf 4 Jahre angelegt. Sie wird überwiegend aus Spenden finanziert und erfolgt im Rahmen eines Bildungsprojekts. Auch später soll das Gebäude hauptsächlich von Schulen im Rahmen von Schulprojekten und von Vereinen für die Förderung von Bildung, Ausbildung sowie Fort- und Weiterbildung genutzt werden.

Aus dem Text der Stadt Hamburg zum Interessenbekundungsverfahren: „Das um 1900 für Hermann Franz Matthias Mutzenbecher erbaute Landhaus ist ein zweigeschossiger Backsteinbau. Es wurde in den Jahren 1908-1910 mehrfach von dem bekannten Hamburger Architekten Erich Elingius umgebaut. Es stellt ein anschauliches Zeugnis der Geschichte Niendorfs dar und bildet einen zeittypischen Bestandteil der villenähnlichen Bebauung um das Niendorfer Gehege. Da die Erhaltung des Gebäudes aus orts- und baugeschichtlichen Gründen und zur Bewahrung charakteristischer Eigenheiten des Stadtbildes im öffentlichen Interesse liegt, wurde das Gebäude 2007 unter Denkmalschutz gestellt.“

Denkmalschutz und Ausbildung - eine vielversprechende Allianz

Die denkmalgerechte Instandsetzung der Villa erfolgt als Kooperationsprojekt. Außer dem Denkmalschutzamt und den ausführenden Baubetrieben werden sich Hamburger Auszubildende, Studierende der HafenCity Universität, Schüler_innen einer Produktionsschule und von  allgemeinbildenden Schulen beteiligen.

75% der Aufgaben in der Bauwirtschaft werden in den kommenden Jahrzehnten im Umgang mit Altbausubstanz liegen. Dabei braucht es sich noch nicht einmal um ausgewiesene Baudenkmale zu handeln. Der Trend geht zum sensiblen Umgang mit Altbausubstanz. Der Erhalt historischer Baukunst schafft nachhaltige Werte. Die Aktualität des Themas zeigt sich auch in der öffentlichen Diskussion zum Thema Kulturerbe. Erst kürzlich wurde die Hamburger Speicherstadt mit Kontorhausviertel zum Weltkulturerbe erklärt.

Ziel des Projekts ist es, Auszubildende und Studierende des Bauwesens und Schüler_innen für das Bauen im Bestand und für den Denkmalschutz zu begeistern. Dazu werden sie aktiv in die denkmalgerechte Instandsetzung der Villa Mutzenbecher einbezogen.

Integration und Perspektive - Nachwuchs für die Bauwirtschaft

Schüler_innen sowie Geflüchtete mit unzureichenden Chancen auf Ausbildung und Arbeit werden mit diesem Projekt für eine ihren Stärken und Interessen entsprechende Ausbildung begeistert und  so nachhaltig in die Gesellschaft integriert. Geflüchtete Jugendliche können zudem Fertigkeiten erlernen, um nach der Rückkehr in ihre Heimatländer an deren Wiederaufbau fachkundig mitzuwirken und sich eine Existenz aufzubauen.

Die Bauwirtschaft in Hamburg hat Probleme, Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu besetzen. Im Rahmen dieses Projekts besteht die Chance, sowohl Jugendliche als auch Geflüchtete an Ausbildungsberufe heranzuführen, die aufgrund der hohen Ausbildungsvergütung (ca. 1.000,-- € mtl.) und den relativ hohen Löhnen der Branche gesicherte Existenz und gesellschaftliche Teilhabe versprechen. Das Projekt will diese Jugendlichen so weit fördern, dass sie eine realistische Chance auf Ausbildung, zumindest jedoch auf Arbeit außerhalb prekärer Verhältnisse erhalten.

Verbesserte Ausbildung durch fachübergreifende Kooperation

Durch die intensive Kooperation der beruflichen Schulen mit der HafenCity Universität Hamburg wird die Qualität der Berufsausbildung nachhaltig gefördert. Darüber hinaus wird dies einen positiven Effekt auf deren interne Qualitätsentwicklung haben.

Vision - Modellprojekt für Südeuropa

Das gesamte Projekt wird wissenschaftlich begleitet, so dass die Ergebnisse auf andere Standorte übertragbar sein werden. Idealerweise dient das Projekt als Masterplan für die Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit in den besonders betroffenen Staaten Südeuropas, deren Berufsbildungssystem bisher im Wesentlichen auf schulischer Ausbildung beruht. Das scheint auf den ersten Blick sehr weit gegriffen. Aber es könnte ein Anfang werden. Alle notwendigen Bestandteile existieren bereits. Sie müssen nur verknüpft werden: Die Beschäftigung wäre durch die Vielzahl erhaltenswerter Gebäude in Südeuropa gesichert, wir liefern Konzept und Modell, die EU stellt in den nächsten Jahren für „innovative Ausbildungsprojekte“ Milliarden Euro bereit.

Zeitplan und Ablauf

Die Baugenehmigung für die denkmalgerechte Instandsetzung der Villa Mutzenbecher wird voraussichtlich im Sommer 2017 erteilt. Im Anschluss wird bis Ende 2017 die Fassade saniert. Die weiteren Gewerke folgen sukzessive bis Ende 2020.

Im Zentrum der Instandsetzung steht die historische Bauweise des Gebäudes und deren Übersetzung auf heutige Anforderungen. Es gilt, für die einzelnen an der Sanierung beteiligten Gewerke entsprechende Ausschreibungstexte zu entwickeln.

Der Verein „Werte erleben e.V.“ beauftragt im Rahmen des Bildungsprojekts Studierende der HafenCity Universität Hamburg mit dem Studienfach Bauingenieurwesen und die folgenden 4 Hamburger beruflichen Schulen gemeinsam mit dem Entwurf der Ausschreibungstexte:

Die Studierenden werden von ihrem Professor, die Auszubildenden von ihren Lehrerinnen und Lehrern unterstützt.

  1. Jede Bauphase startet mit einem Workshop, in dem alle an dem Projekt beteiligten Institutionen vertreten sind: die Bauherrin/der Bauherr, das Denkmalschutzamt, die Studierenden (möglichst mit Ausbildung in dem Gewerk), deren Professor, Lehrer_innen der beruflichen Schulen und gegebenenfalls weitere Expert_innen. Das jeweilige Teilprojekt der Sanierung wird ausführlich vorgestellt. Der Workshop findet bereits in der Villa Mutzenbecher statt. In einem weiteren Schritt werden, beispielsweise durch 1:1 Versuche, die Ausschreibungsdetails erprobt.
  2. Die Berufsschüler_innen erhalten vom Bauherrn, dem Verein „Werte erleben e.V.“, den schriftlichen Auftrag einen detaillierten Ausschreibungstext zu entwerfen und dafür die entsprechenden Kosten zu ermitteln. Alle dafür nötigen Unterlagen werden ihnen vom Verein zur Verfügung gestellt. In Gruppen entwickeln sie unterschiedliche Lösungsvorschläge. Sie sind gefordert, neben Aspekten des Denkmalschutzes auch ökologische und sicherheitsrelevante Aspekte auf der Baustelle zu berücksichtigen.
  3. In einer abschließenden Präsentation stellen die Gruppen ihre Lösungsvorschläge vor. Beteiligt sind die unter Punkt 1 Genannten. Gemeinsam wird entschieden, welcher der vorgestellten Lösungsvorschläge realisiert werden soll.
  4. Alle am Projekt beteiligten Auszubildenden und Studierenden erhalten ein Zertifikat, das ihnen ihre Mitwirkung am Projekt sowie ihre erbrachten Leistungen bescheinigt.
  5. Studierende und Auszubildende erhalten die Chance, sich an der Realisierung des ausgewählten Lösungsvorschlags direkt auf der Baustelle zu beteiligen.

Weniger Baumängel durch Kooperation

Um Baumängeln vorzubeugen, nutzen die 4 beteiligten beruflichen Schulen auch die Gewerke übergreifende Kooperation. Das heißt, die Auszubildenden einer beruflichen Schule kooperieren mit den Auszubildenden der anderen beteiligten Berufsschulen im Rahmen ihres gemeinsamen Projekts. Hierbei spielt insbesondere die Kommunikation eine besondere Rolle. So können z.B. die Gebäudereiniger frühzeitig bei der Auswahl der Materialien und technischen Lösungen auf die Auswirkungen auf die späteren Folgekosten für die Unterhaltsreinigung hinweisen.

Motivation durch jugendliche Vorbilder

Idealerweise werden Auszubildende und Studierende an der Umsetzung ihres Lösungsvorschlags auf der Baustelle beteiligt. Dabei treffen sie auf Jugendliche und Geflüchtete aus allgemeinbildenden Schulen, deren Startchancen auf Ausbildung unzureichend sind. Gerade diese Gruppe ist oft gekennzeichnet von Schulmüdigkeit. Nicht zuletzt, weil sie in ihrem sozialen Umfeld wie in ihrer Peergroup die Erfahrung machen, dass trotz aller Anstrengung in der Schule sie ohne Chance auf Ausbildung bleiben werden. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sind Kontakte mit Auszubildenden von unschätzbarer Bedeutung. Unter denen sind viele, die selbst einen gesellschaftlichen Aufstieg erfolgreich bewältigt haben.

Die Beteiligung einer Produktionsschule an der Bauausführung, in der Jugendliche auf den Übergang von der Schule in den Beruf professionell begleitet werden, dient ebenfalls dazu, Kontakte mit "erfolgreichen Aufstiegsbiografien“ zu ermöglichen.

Dualisierte Ausbildungsvorbereitung

Auch Jugendliche, die in Hamburger beruflichen Schulen eine dualisierte Ausbildungsvorbereitung in Schule und Betrieb durchlaufen, werden in das Sanierungsprojekt einbezogen. In diese Gruppe fallen auch Geflüchtete, deren Zahl in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Die am Bau beteiligten Betriebe und insbesondere deren Auszubildende werden mit diesen Jugendlichen im Rahmen von Praktika zusammenarbeiten.

„Einstiegsqualifizierung“ EQ

Das Projekt nutzt zusätzlich die „Einstiegsqualifizierung“ (EQ) der Bundesagentur für Arbeit. Jugendliche erhalten im Rahmen eines Betriebspraktikums die Chance, bundesweit anerkannte Bildungsbausteine zur Vorbereitung auf eine Ausbildung zu durchlaufen, die bei Erfolg von den Kammern zertifiziert werden und sogar auf eine folgende Ausbildung angerechnet werden können.

Unsere Kooperationspartner (Stand Februar 2017)

  • Denkmalschutzamt Hamburg
  • Deutsche Stiftung Denkmalschutz
  • Hubertus Wald Stiftung
  • Beiersdorf AG, Hamburg
  • Schultz-Gruppe, Hamburg